Die Edition FANAL

Verantwortliche der Edition FANAL

Marie-Thérèse Vacossin
Künstlerische Leitung

Danielle Harder
Administration und Edition

Liliane Beck
Mitarbeit und Unterricht

André Schweizer
Mitarbeit und Projekte

Der Richtungsgeber und prägende Künstlerpersönlichkeiten

In kurzen Erinnerungen nennt Marie-Thérèse Vacossin prägende Begegnungen – für die Edition und für sich selbst. Es geht um Freundschaft, Zusammenarbeit und die Liebe zur Kunst.

MERET OPPENHEIM

[MTV] Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit Meret Oppenheim. Sie wollte Radierungen anfertigen, da ihr Graveur in den Ferien war. Ich sah mir ihre Entwürfe an – zunächst schienen sie schlicht, doch bald erkannte ich die präzise, bis ins kleinste Detail durchdachte Setzung jeder Linie. Damals führten wir im Atelier Fanal noch Auftragsarbeiten für andere Künstlerinnen und Künstler aus. Nach der Gründung der Edition für konstruktive Kunst blieb Meret Oppenheim die einzige Künstlerin ausserhalb dieser Kunstrichtung, die wir weiterhin edierten. Zwischen uns entstand eine langjährige Freundschaft und gegenseitige Wertschätzung. Aus unserer Zusammenarbeit gingen die Künstlerbücher Sansibar (1981) und Caroline (1985) hervor. Für Caroline organisierten wir am 15. November 1985 eine Vernissage; für diesen Anlass mieteten wir den Sousol der Galerie Hilt. Am Vortag signierte Meret Oppenheim noch einige Abzüge. In den frühen Morgenstunden vor der Ausstellungseröffnung verstarb sie unerwartet. Caroline wurde später als eines der schönsten Schweizer Bücher des Jahres 1985 ausgezeichnet.

JEAN GORIN

[MTV] Nachdem mein Studienfreund Marcel Mazar [1926–2009], Mitbegründer von Fanal, das Angebot des Ateliers um die Lithografie erweitert hatte, fragte mich Simone Hopferwieser-Thomae, die in einer Basler Galerie tätig war, ob wir für Jean Gorin [1899–1981] arbeiten würden. Ich kannte seine Werke nicht, doch es handelte sich um Lithografien – Quadrate, Rechtecke, Prägungen –, also etwas, das wir realisieren konnten. Wir sagten zu. Als Gorin ins Atelier kam, sah er eines meiner Bilder, das zufällig herumstand, und fragte: „Hast du das gemacht?“ Ein Jahr lang korrespondierten wir; er schickte mir Unterlagen und gab mir Ratschläge. Dieser Briefwechsel ist mir sehr kostbar – es war eine aussergewöhnliche Zeit. Danach veränderte sich alles. Ich verdanke Jean Gorin alles. Er war der erste Künstler, den Fanal edierte – mit dem Buch Ecrits et 3 sérigraphies – und der dem Atelier den entscheidenden Impuls für die Edition gab. Zugleich prägte er deren Ausrichtung auf die konstruktive Kunst. Ich war mit dieser Kunstrichtung völlig unvertraut – ich schäme mich fast, das zuzugeben.

FRANÇOIS MORELLET

[MTV] Die Werke von François Morellet [1926–2016] sah ich zum ersten Mal in einer Gruppenausstellung in Paris. Damals sprach ich ihn nicht an – der Rahmen einer Ausstellung schien mir dafür nicht geeignet. Einige Zeit später, als ich Gorin das Buch brachte, das wir für ihn ediert hatten, fielen mir auf seinem Tisch Arbeiten von Morellet auf. Spontan fragte ich: „Sie kennen Morellet?“ – und er antwortete: „Er ist wie mein Sohn!“ Ich bat ihn, uns miteinander in Kontakt zu bringen. Suzanne, seine Frau, die anwesend war, rief Morellet sofort an: „Ich bin hier mit jungen Editoren – könnten sie dich besuchen?“ – „Aber ja, wir erwarten sie!“, antwortete er. Am nächsten Tag waren wir bei François Morellet und seiner Frau zu Gast – empfangen wie Freunde. Gleich beim ersten Treffen entstand die Idee, gemeinsam ein Buch zu realisieren; das Konzept erarbeiteten wir noch am selben Abend. Es handelte sich um Sur la fragmentation, la gravure et l’art de ne rien dire (1980) – ein Projekt ganz im Sinne von Morellets spielerischem Umgang mit System und Zufall. Es wurde zu einem der bedeutendsten und schönsten Werke, die wir mit ihm verwirklichten.

AURÉLIE NEMOURS
In Bearbeitung

 

VERA MOLNAR
In Bearbeitung

CARLOS CRUZ-DIEZ
In Bearbeitung