Das Museum
Das Rappaz Museum wurde 2008 auf Initiative von Gisèle Rappaz-Joly, der Witwe des Basler Künstlers Rolf Rappaz, gegründet und bis zu seiner Schliessung im Dezember 2023 von der Gisèle und Rolf Rappaz Stiftung getragen. Von 2008 bis 2011 stand das Museum unter der Leitung des Künstlers Bruno Gasser. Ihm folgte Frau Dr. Ricarda Gerosa, Literaturwissenschaftlerin, die das Haus von 2012 bis zum Frühjahr 2016 führte. Anschliessend übernahm der Grafikdesigner Armin Vogt die künstlerische Leitung des Hauses und prägte dessen Profil und Ausstellungsprogramm nachhaltig. Jährlich präsentierte das Museum vier bis fünf Ausstellungen mit Fokus auf konstruktiver Kunst und angewandter Grafik. In den 15 Jahren seines Bestehens fanden insgesamt rund fünfzig Einzel- und Gruppenausstellungen statt. Das Museum erstreckte sich über drei Etagen, die unterschiedliche Funktionen erfüllten: Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss zeigte das Museum wechselnde Ausstellungen mit Arbeiten verschiedener Künstlerinnen und Künstler, während das zweite Obergeschoss dem Werk von Rolf Rappaz dauerhaft gewidmet war und in regelmässigen Abständen neu kuratiert wurde. Als kulturelles Kleinod zeichnete sich das Rappaz Museum durch seine überschaubare Grösse, die enge Zusammenarbeit eines engagierten Teams und eine bemerkenswerte programmatische Offenheit aus. In einem Quartier mit lebendigem sozialem und kulturellem Umfeld war es das einzige Haus in Basel, das sich konsequent der konstruktiven und konkreten Kunst sowie der Grafik widmete.
Über die Jahre entwickelte sich das Rappaz Museum zu einem festen Bestandteil der Basler Kunstszene. Es brachte neue Impulse in die Schweizer Kunstlandschaft und bot regionalen Kunstschaffenden nicht nur Ausstellungsfläche, sondern auch Raum für Reflexion und kritischen Austausch. Diese Verankerung zeigte sich auch in der aktiven Teilnahme an städtischen Kulturereignissen wie der Basler Museumsnacht, den Basler Kunsttagen oder dem Jazzfestival offbeat.
Im Jahr 2021 bot die Gründung des Vereins Les Amis du Musée Rappaz interessierten Personen die Möglichkeit, sich inhaltlich einzubringen und Aspekte der Programmgestaltung zu diskutieren. Die besondere Atmosphäre und das stilvolle Ambiente des Hauses konnten zudem für private und geschäftliche Anlässe genutzt werden. Bis zur Schliessung des Museums Ende 2023 zählte der Verein rund 120 Mitglieder und trug wesentlich dazu bei, den Dialog zwischen Museum, Kunstszene und Öffentlichkeit lebendig zu halten. Die Schliessung des Museums blieb nicht ohne Diskussionen und fand auch in der lokalen Presse Widerhall. Unter der Leitung von Anja Meierhans wurde der Verein schliesslich am 8. Oktober 2024 offiziell aufgelöst. Seit 2024 befindet sich im Erdgeschoss der Liegenschaft ein Archiv des «Rappaz – Haus der Basler Grafik».
Das Gebäude Klingental 11, bis Ende 2023 Sitz des Rappaz Museums, zählt zu den ältesten Bauwerken Kleinbasels. Seine Ursprünge reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück und stehen in enger Verbindung mit dem 1274 am Rheinufer errichteten Nonnenkloster Klingental, das vom Ritter und Minnesänger Walther von Klingen gestiftet wurde. Das Haus grenzt an das ehemalige Klostertor und diente einst als Weberei des Klosters – ein Hinweis darauf findet sich im Namen der benachbarten Webergasse. Im Erdgeschoss ist noch heute ein etwa sechs Meter tiefer Sodbrunnen erhalten, der von der klösterlichen Vergangenheit zeugt. Kleinbasel war zur Zeit der Klostergründung eine eigenständige Stadt, deren wirtschaftlicher Aufschwung durch die Präsenz des wohlhabenden Frauenklosters entscheidend gefördert wurde. Mit dem Bau der Rheinbrücke im Jahr 1225 setzte eine enge Verbindung zwischen Klein- und Grossbasel ein, die 1392 in der Vereinigung beider Städte mündete. Nach der Reformation 1557 wurde das Kloster aufgehoben. Die Gebäude dienten fortan als Lager-, Gewerbe- und Militärunterkünfte. Im 17. Jahrhundert ging die Liegenschaft Klingental 11 in den Besitz der Stadt über und wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts umfassend renoviert, um dem Müller der benachbarten Klingentalmühle als Alterssitz zu dienen. Ein Mühlstein der Müllerfamilie lehnt noch heute an der Fassade des Hauses Klingental 9. Von den einst weit verzweigten Wasserläufen, die zahlreiche Mühlen antrieben, sind heute nur noch wenige Spuren sichtbar.
Gisèle Rappaz-Joly (1931 – 2022)
Nachruf In den Morgenstunden des 21. Dezember 2022 ist Gisèle Rappaz-Joly von uns gegangen. Wir betrauern einen immensen menschlichen Verlust für die Gisèle und Rolf Rappaz Stiftung, deren Stiftungsrats-Präsidentin sie war, insbesondere aber auch für das von ihr ins Leben gerufene Rappaz Museum, seit dessen Eröffnung sie das Oeuvre ihres geliebten Mannes über ein Vierteljahrhundert lang hingebungsvoll pflegte und grosszügig unterstützte. Rolf Rappaz, Jahrgang 1914, der Namensgeber unseres Museums, durchlief eine gründliche Berufsausbildung zum grafischen Gestalter in seiner Heimatstadt Basel und Paris. Bereits in den 1930er Jahren gründete er sein eigenes, erfolgreiches Atelier für Gebrauchsgrafik, in das Gisèle Joly ein gutes Dutzend Jahre später eintreten, fortan als seine rechte Hand fungieren und schon bald seine Ehepartnerin werden sollte. Nicht zuletzt ihrer tatkräftigen Mitwirkung ist es zu verdanken, dass Rolf Rappaz den Status einer Ikone der Schweizer Werbegrafik erlangte. Auch als er Mitte der 1960er Jahre seine Tätigkeit als Grafiker aufgeben und sich ausschliesslich seiner eigenen Kunst widmen sollte, pflegten Rappaz und seine Frau Giséle ein geradezu symbiotisches Arbeitsverhältnis. Mit Gisèle Rappaz-Joly trauern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gisèle und Rolf Rappaz Stiftung und des Rappaz Museums um eine grosse Persönlichkeit, eine stilvolle Erscheinung wie auch um eine warmherzige Frau voller Empathie, die allen, die über die Jahre mit ihr zu tun hatten, fehlen wird.
Armin Vogt | Udo Breger

Rolf Rappaz (1914 – 1996)